09.02.2016



   

 Schotter


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Gleise einschottern

Nach jahrelanger, intensiver Forschung und Entwicklung (F & E, engl. Research & Development R & D) ist es mir nun gelungen, einen absolut vorbildnahen Gleisschotter in einem ausgeklügelten, aufwändigen Prozess herzustellen. Anders ausgedrückt: ich bin einmal mitten in der Nacht aufgewacht mit einer Idee, welche ich am anderen Tag in 10 Minuten umgesetzt hatte .

Bekannte Verfahren

Der Auslöser dieses Unterfanges war, dass alle Versuche mit käuflichem Schotter das von mir gewünschte Aussehen nicht oder nur mit grossem Aufwand erreichten. Folgende Versuche hatte ich zuvor mit dem bekannten Verfahren gemacht, nämlich den Schotter zu verteilen und mit einem 50/50 Wasser-Leimgemisch mit etwas Spülmittel versetzt zu beträufeln:

bulletNeuer, unbehandelter grauer Schotter. Ohne Nachfärbung. Sieht sehr schön aus, entspricht aber einer Neubaustrecke.
bulletGleich wie zuvor, nach dem Trocknen gefärbt mit Pulverfarben. Ungleichmässiges Aussehen.
bulletWie oben, Nachfärbung mit Rostfarbe mittels Airbrush. Hier wiederum zu eintönig, da die Farbe auch die Schwellen bedeckt.
bulletBrauner, schwarzer, grauer Schotter in verschiedenen Farbtöne und Mischungen, mit und ohne nachfärben. Gleiches Problem wie oben, zusätzlich entsprechen die meist dunklen Schottersteinchen nicht der Realität.

Unbefriedigendes Ergebnis

Bei keinem hat mich das Ergebnis also richtig überzeugt. Wenn man hier in der Schweiz ein Gleisbett ansieht, stellt man fest, dass die Schottersteine mehrheitlich eine graue oder seltener eine grau-braune Ursprungsfarbe haben. Zur Verwendung kommt bei der SBB meist Schotter aus Granit, Gneis, Alpenkalk oder Porphyr zum Einsatz. Dieser ist wiederum mit Rost, Schmutz, Öl und anderes mehr oder weniger stark gefärbt. Da die SBB die meisten Strecken gut wartet, hat es eigentlich immer auch relativ "saubere" Steine darunter. Zudem sind die Steine nicht nur oben, sondern ringsum gefärbt; die graue Grundfarbe scheint mehr oder weniger durch. Mit dem Airbrush ist dies schwierig nachzubilden, es sieht aus, als ob es eine Ladung Rost geregnet hätte. Mit Pulverfarben gelingt dies etwas besser, allerdings ist damit wiederum eine gleichmässige Verteilung recht schwierig.

Hier sind einige Beispiele von SBB Strecken.

Die Idee

Das brachte mich auf die Idee, den Schotter vor der Verwendung einzufärben. Dabei sollte die Grundfarbe des Schotters aber nach wie vor erkennbar sein. Die Steinchen sollten zudem unterschiedlich starke Färbung aufweisen. Dies ist aber nicht so einfach: Verwendet man Pulverfarben, so werden die Farbpigmente beim anschliessenden beträufeln des Schotters grösstenteils einfach weggespült. Flüssige Farben bilden dagegen Klumpen beim trocknen und sehen auch sonst nicht besonders echt aus. Es muss also eine Farbe her, welche ohne Flüssigkeit gut an den Steinchen haftet. Das brachte mich auf die Idee, Toner von Farbkopierer zu verwenden.

Toner besteht aus 5-30 µm grossen Teilchen, ist also extrem fein. Er setzt sich zusammen aus Kunstharz, Farbpigmenten, magnetisierbaren Metalloxiden und diversen Hilfsstoffen. Toner wird im Drucker auf dem Papier erhitzt, schmitzt und haftet dadurch fest auf der Oberfläche. Von verschiedenen Farbkopierern habe ich schon die Resttonerbehälter gewechselt. Die Farbe darin war immer dunkelbraun, zusammengesetzt aus den vier Druckfarben Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz (CMYK).

Der Laser-Toner wird mit dem Schotter vermischt. Etwas Pulverfarbe Rost wird dazu getan.

Der Versuch

Also nahm ich ein grosses Gurkenglas mit einem Deckel aus Blech, und füllte diesen zu etwa einem Drittel mit Schotter. Dazu kamen jetzt ein paar Kaffeelöffel Toner aus dem Resttonerbehälter sowie von den Pulverfarben etwas Rostfarbe, um einen leicht helleren und zugleich rötlicheren Ton zu erzeugen. Der Deckel wurde fest verschraubt und der Inhalt durch kräftiges Schütteln gut durchmischt. Anschliessend wurde das ganze im Ofen bei circa 200°C einige Zeit erhitzt. Der Toner schmitzt, die Farbpigmente kleben an den Schottersteinen fest. Der heisse Schotter bekommt so eine zähflüssige Konsistenz wie Lava (habe ich zwar nie gesehen, stelle mir das aber so vor). Während dem Abkühlen wurde die Masse immer wieder durchgeschüttelt. Wird es zu einem festen Brocken zusammenkleben? Nein, die Steinchen haften kaum aneinander, es bröckelt alles sofort auseinander.

Hier sieht man links den Originalschotter, rechts den eingefärbten.

Die Verarbeitung

Verwendet wird dieser gefärbte Schotter wie üblich. Die einzelnen Schottersteinchen besitzen unterschiedliche Färbung, mal stark, mal schwach, aber alle haben den gleichen Farbton, also nicht beige und braun, sondern heller und dunkler.

Zuerst werden also die Gleise verlegt. Dabei kann eine Böschung aus etwa 4 bis 6 mm dicken Korkmatten oder fertige Böschungen von Merkur, Noch oder anderen zum Einsatz kommen. Die Böschung wird mit passendem Kleber auf den vorgezeichneten Trassebrettern geklebt. Die Gleise werden daran ausgerichtet und mit kleinen Schrauben fixiert. Jetzt wird am besten eine ausgiebige Testfahrt mit verschiedenen Fahrzeugen durchgeführt, denn nach dem Einschottern sind Korrekturen im Gleisverlauf nur noch mit grossem Aufwand durchführbar.

Jetzt werden die vorgefärbten Schottersteinchen gleichmässig verteilt. Hierzu sind ein kleiner Behälter, ein Teelöffel und ein Pinsel hilfreich. Der Schotter wird anschliessend mit einer Sprühflasche angefeuchtet, wobei dem Wasser zur Fliessverbesserung einige Tropfen Spülmittel hinzugefügt wird. Dadurch erreicht man, dass der Leim nicht abperlt sondern vom Schotter gut aufgenommen wird. Als Leim verwende ich eine Mischung von einem Teil Buchbinderleim mit einem Teil Wasser (50:50), dazu wiederum einige Tropfen Spülmittel. Buchbinderleim deshalb, da dieser dauerelastisch bleibt. Normaler Weissleim hingegen wird hart, was später die Geräuschkulisse erhöht. Alternativ kann natürlich käuflicher, meist aber recht teurer  Schotterleim verwendet werden. Das Leim-Wasser Gemisch wird mit einer Pipette grosszügig über den feuchten Schotter geträufelt. Es braucht einige Zeit, bis dieser trocken ist. Jetzt können die Gleisschrauben entfernt werden, die Gleise halten absolut fest durch den Leim und dem verklebten Schotter. Zum Schluss werden noch die Stellen, wo die Schrauben waren, nachgeschottert.

Das Ergebnis

Endlich entspricht das Ergebnis der Realität. Ohne Nachbehandlung, ausser einigen Gräsern und dergleichen, sehen die Gleise nun so aus, wie ich es schon oft beobachtet und mehrfach fotografiert habe.

Auf dem Foto sieht es wegen dem Blitzlicht leider nicht so gut aus, wie in Natura. Auch ist auf dem Bild nur schlecht erkennbar, dass der Schotter scharfkantig ist. Trotzdem sieht man gut die unterschiedliche Färbung der einzelnen Schottersteinchen. Basis bildete grün-grauer Echtstein-Schotter (Granit).
Im Rangierbahnhof sind die Gleise ohne Böschung verlegt.
Der Märklin-Entkuppler wird mit Schotter verdeckt. Eine Möglichkeit wäre auch gewesen, hier ungefärbten Schotter zu verwenden, so als noch zu verteilenden Neuschotter.

Keine Nachbehandlung

Wer jetzt denkt, dieser Prozess ist doch etwas aufwändig und für grössere Anlagen zu zeitintensiv, dem muss ich widersprechen. Man hat auf diese Weise sehr schnell eine grosse Menge Schotter eingefärbt. Und vor allem benötigt der verlegte Schotter absolut keine farbliche Nachbehandlung mehr. So gesehen ist dieses Verfahren eher eine Zeitersparnis.

     

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Letzte Änderung:

16.01.2008
09.02.2016

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