16.03.2016



   

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Märklin Systems und mfx

Das von Märklin bislang verwendete Digitalsystem basiert auf einer Technik aus den 80er Jahren (Märklin Motorola Format, MM), welche im laufe der Zeit erweitert wurde (MM2). Dieses Format genügt heutigen Ansprüchen vielfach nicht mehr. Insbesondere sind hier die folgenden Einschränkungen gegeben:

bulletMaximal 80 Lokadressen, Adresse 01 bis 80.
bulletMaximal 256 Magnetartikeladressen
bullet5 Funktionen pro Lokadresse
bulletNur 14 Fahrstufen (27 mit Zwischenstufen)  *1
bulletKeine Rückmeldung der Loks

Während im DCC Sektor diese Einschränkungen bereits teilweise wesentlich höher ansetzen, beispielsweise mit 9999 Lokadressen, sind hier andere Einschränkungen gegeben. Insbesondere die Kompatibilität der Lösungen unterschiedlicher Hersteller lässt zu wünschen übrig. Hier sind nicht die grundlegenden Funktionen wie das Fahren gemeint, sondern die erweiterten Funktionen (z. B. Lissy).

Märklin hat nun ihr Digitalformat nicht einfach erweitert, sondern ein grundlegend neues System entwickelt (bzw. von ESU entwickeln lassen). Dazu wurde das neue Gleisprotokoll mfx eingeführt.
Als märklin systems wurde im Jahre 2004 eine komplett neue Reihe von Digitalkomponenten vorgestellt und später auf den Markt gebracht, wobei lange Zeit nicht alle Komponenten verfügbar waren. Die oben genannten Einschränkungen gehören damit definitiv der Vergangenheit an:

bullet16348 Adressen für Loks und Magnetartikel zusammen.
bullet16 Funktionen pro Lokadresse (mittlerweile 32 Funktionen, direkt schaltbar mit der CS3)
bullet128 Fahrstufen
bulletRückmeldungen an die Zentrale von den Decodern

Vor allem letzter Punkt bringt einige neue Möglichkeiten mit sich. Eine Lok kann nun mit der Zentrale kommunizieren. Wird die Lok aufs Gleis gesetzt, meldet sie sich automatisch an der Zentrale an. Dazu hat jeder Decoder eine eindeutige Kennung fest einprogrammiert. Zwei gleiche Loks haben also unterschiedliche Kennungen - ähnlich wie im Computerbereich die Netzwerkkarte eine einmalige, eindeutige MAC-Adresse besitzt. Diese Kennung wird beim ersten aufgleisen der Zentrale übermittelt. Diese wiederum gibt dem Decoder eine Adresse zurück. Der ganze Prozess geschieht dabei automatisch und ohne Eingriff des Benutzers. Die Adresse ist für den Benutzer nicht sichtbar. Das ist auch nicht nötig, da die Zentrale den Namen der Lok anzeigt, welcher ebenfalls im Lokdecoder gespeichert ist und jederzeit vom Benutzer verändert werden kann. Das lästige Suchen nach den Lokadressen entfällt also ebenso wie die Eingabe einer Adresse oder die Suche nach der Tabelle der Lok-Funktionen. Die Funktionen der Lok werden ebenfalls der Zentrale übermittelt und dort mit Symbolen (Piktogramme) angezeigt.

Kompatibilität

Kein neues System kann sich heute im Markt etablieren, wenn bereits vorhandene Geräte nicht mehr verwendet werden könnten. Aus diesem Grund läuft auch ein Anfang 80er Jahre für den PC geschriebenes Programm (z.B. WordStar) auch heute noch auf einem modernen PC mit Windows 10. Dies wurde auch bei der Entwicklung von Märklin Systems berücksichtigt. So werden nahezu alle Loks mit Decoder für das Märklin Motorola und MM2 Format vollumfänglich unterstützt. Auch Weichendecoder und andere Digitalkomponenten können weiterverwendet werden - allerdings mit den Einschränkungen, dass die neuen und erweiterten Funktionen hier nicht verfügbar sind. Eine bestehende Lok mit einem 60902 Decoder wird sich deshalb auch mit einer neuen Zentrale nicht automatisch anmelden. Man kann sie aber wie gewohnt über ihre "alte" Adresse aufrufen und bedienen. Ein Pluspunkt sei aber erwähnt: viele ältere Decoder wie der eben erwähnte 60902 können mit der Central Station nun direkt mit 27 Fahrstufen betrieben werden. Neuere Decoder, wie beispielsweise die beliebten ESU LokPilot 3, können mit 28 Fahrstufen angesteuert werden. Dazu wird in der Zentrale der entsprechende Modus (14, 27 oder 28 Fahrstufen) für jede Lok gewählt.

Komponenten

Das System setzt sich aus einer Reihe neuer Komponenten zusammen:

Die Zentrale

Das neue Bedienpult - die Central Station (CS) - ist das Kernstück von Märklin Systems. Mit diesem - und nur damit - können alle 16 möglichen Funktionen einer mfx-Lok aufgerufen werden. Die Zentrale verfügt über einen Touch-Screen Display mit Hinterleuchtung. Die Funktionen können direkt mit Tastern angewählt werden, es sind zwei Fahrtregler integriert.

Die Märklin Central Station (CS) 60212, zu der es von ESU ein Update gab. Die Central Station 2 (CS2) 60213. Seit September 2008 lieferbar und mittlerweile durch die CS3 abgelöst. Diese gehört bereits einer neueren Generation Geräte an, welche unter märklin digital vertrieben werden.
(Bilder: Märklin)

Die Zentrale besitzt neben einem CAN-Bus Anschluss für weitere Systems-Komponenten auch einen Ethernet Anschluss, kann also an ein PC-Netzwerk angeschlossen werden. Eine Beschreibung der Anschlüsse, der Betrieb mit Booster, Anschluss an einen PC sowie das Vorgehen bei der Software-Aktualisierung habe ich auf einer eigenen Seite beschrieben.

Mobile Station

Das Handfahrpult kann als eigenständiges Gerät verwendet werden und wird in vielen Startersets angeboten. Als leichter Einstieg in Märklin Systems konzipiert wird das handliche Gerät einfach an ein spezielles Anschlussgleis angeschlossen. Netzteil noch einstecken und der Fahrspass kann beginnen. Über ein optionales Adapterkabel können zwei Mobile Stations an ein Anschlussgleis gesteckt werden. Eine ist dabei der Master, welche auch den digitalen Strom für die Loks liefert, die zweite dient dann lediglich als zweites Fahrgerät. Die Einschränkung von maximal 10 Loks gleichzeitig im Zugriff bleibt allerdings ebenso bestehen, wie die beschränkte Stromstärke von 1.2 bzw. 1.9 A. Der Anschluss der zweiten Mobile Station an ein weiteres Anschlussgleis ist nicht möglich!


Die Mobile Station und das C-Anschlussgleis (Bilder: Märklin)

Es gibt von der Mobile Station zwei Ausführungen: In den Startersets verkauften Geräte können nur 1.2A Digitalstrom liefern, die einzeln verkauften und den Spur 1 Packungen beiliegenden Geräte liefern 1.9A.

Booster

Die Rückmeldung bei Märklin Systems erfordert eine bidirektionale Kommunikation durch alle involvierten Komponenten, somit auch der Booster. Dadurch sind neue, rückmeldefähige Booster in dem Bereich notwendig, wo eine Rückmeldung gewünscht wird. Diese waren von Märklin angekündigt (Art. 60172), dann aber nie produziert worden und jetzt - nach erscheinen der neuen Central Station 2 - abgekündigt. Besitzer der CS1 müssen sich deshalb mit Booster der Firma ESU eindecken.
Soll die Rückmeldung hingegen "nur" für die Anmeldung der Loks benutzt werden, kann beispielsweise das Gleis, wo die Loks erstmalig aufgegleist werden, direkt an die Zentrale angeschlossen werden. Die übrigen Stromkreise werden dann an die bisherigen Booster belassen. Dazu wurde die Central Station von Märklin kostenlos mit einer entsprechenden Schnittstelle nachgerüstet, welche zudem einen Anschluss für Altgeräte (z.B. Control Unit 6021) enthält, den sogenannten Sniffer-Eingang.

Decoder

Eine Schlüsselrolle in Märklin Systems bilden die neuen Decoder, welche am mfx Zeichen erkennbar sind. Erst mit diesen ist eine Rückmeldung sowie alle übrigen Funktionserweiterungen möglich. Genau dies ist auch der grösste Nachteil: Will man konsequent die neuen Möglichkeiten nutzen, ist ein Umbau des vorhandenen Rollmaterials auf mfx notwendig. Dies ist einerseits teuer - ein neuer mfx Decoder von Märklin kostet etwa 100€ / 150sFr. - andererseits gar nicht überall möglich. Denn wie kein anderer Hersteller hat Märklin in den letzten Jahren wahrer Wildwuchs in Sachen Sonder-Decoder betrieben. So wurden Funktionen und Abmessungen speziell dem jeweiligen Modell angepasst. Dazu kommen noch zwei grosse Einschränkungen der bisherigen mfx-Decoder: Der maximale Ausgangsstrom für den Motor liegt bei 800mA, und es sind neben dem Licht nur zwei weitere schaltbare Funktionen vorhanden, dessen Ausgänge zudem auf 150mA begrenzt sind. Dadurch wird eine Umrüstung auf mfx stark erschwert.


Die neuen Decoder sind kleiner als die 60902. Allerdings lässt der Funktionsumfang zu Wünschen übrig.
(Bild: Märklin)

Aber auch ohne eine Umrüstung können bestehende Loks (d.h. ohne mfx Decoder) mit der neuen Zentrale komfortabel betrieben werden. Dazu wird die Lok einmalig eingerichtet: Die Adresse wird eingegeben, ein passender Name gewählt und die Funktionen und Piktogramme ausgewählt. Von nun an kann die Lok mit ihrem Namen aufgerufen werden, die Funktionen werden dann als Piktogramme direkt anwählbar angezeigt. Alle diese Einstellungen werden in der Zentrale gespeichert. Im Gegensatz dazu wird bei mfx Decoder der Lok-Name im Decoder gespeichert und steht somit jederzeit - auch auf anderen Anlagen - zur Verfügung.

Fazit

Märklin hat mit Systems einen gewaltigen Schritt nach vorne getan. Die Markteinführung hatte sich infolge technischer Probleme allerdings massiv verzögert. Diese kamen nicht zuletzt daher, dass anfangs nicht genügend Rücksicht auf die Bedürfnisse der Stammkunden genommen wurde und deshalb das Pflichtenheft während der Umsetzung geändert werden musste.

Mittlerweile haben auch einige Dritthersteller ihre Software auch für die Central Station angepasst und freigegeben, darunter WinDigipet oder iTrain.

Für Neueinsteiger ist Systems eine feine Sache, sobald alle Komponenten verfügbar sind. Genau hier hat Märklin aber offensichtlich ein grösseres Problem: Weder sind die Booster 60172 verfügbar, noch sind mfx fähige Weichen- und Schaltdecoder erhältlich. Seit dem Hardware-Upgrade (von Ende 2007) können aber alle bestehenden Märklin kompatiblem Booster angeschlossen werden. Die Rückmeldung via S88 ist ebenso möglich.

Mit dem Erscheinen der CS2 ist der rückmeldefähige Booster 60172 nun definitiv gestorben. Es gibt aber für die neue CS2 einen Booster (60173), welcher aber nur mit der CS2 funktioniert. Weil dieser Booster eine zweipolige Trennung der Stromkreise benötigte (also Schienen- und Mittelleitertrennung), gab es damit etliche Probleme mit diesem Booster in der Praxis. Im Herbst 2010 kam dann ein Nachfolgemodell des CS2 Boosters unter der Artikelnummer 60174 auf den Markt kommen, welches das lästige zweipolige Trennen der Boosterabschnitte hinfällig machte.
Besitzer der CS1 müssen auf die Booster von ESU zurückgreifen (ECoSBoost). Diese wiederum lassen sich nicht an der CS2 betreiben.

Mit dem Upgrade 2.0.4 hat Märklin das letzte Update für die Central Station veröffentlicht.
ESU - als Entwickler der CS1 - hat dann die Weiterentwicklung selber übernommen. Besitzer der CS1 können nun das kostenpflichtige Update von ESU erwerben, mit welchem die CS1 an den Funktionsumfang der hauseigenen ESU ECoS angeglichen wird. So unterstützt die CS1 nach dem ESU Update neben mfx auch DCC und Selectrix, der maximale Ausgangsstrom wurde zudem auf 4 A erhöht. Mehr dazu hier.

Die CS1 lässt sich mit der neuen CS2 über ein Netzwerk(-kabel) verbinden. Dies ist aber nur ohne das ESU Update möglich!
 

Mehr zur CS2 hier.

*1 Fahrstufen: Meiner Meinung nach genügen rund 30 Fahrstufen. Wenn der Decoder "sauber" regelt, sind keine "Stufen" bei Fahrstufenwechsel sichtbar. Es ist also einzig die jeweils gewählte Endgeschwindigkeit, welche bei mehr Fahrstufen feiner eingestellt werden kann. Dies ist aber nur bei Mehrfachtraktion von Bedeutung, da es hier auf eine exakte Übereinstimmung der Fahrgeschwindigkeit ankommt.

     

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Letzte Änderung:

20.05.2005
16.03.2016

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